Hallo, hier ist wieder Euer Petz.
Freitag, 2. Oktober
Lauter schöne Eisblumen sind am Fenster. Im Camper waren heute Nacht
minus 5 Grad.
Als wir das gemerkt haben, haben
wir ein bißchen geheizt! Der Wind hat auch nicht aufgehört zu blasen,
manchmal habe ich gedacht, der schiebt den Camper in den Fluß...
Als die Eisblumen langsam tauen sieht man ganz blauen Himmel, ohne eine Wolke!
Als wir vor zum Highway fahren
- der Motor sprang auch ganz willig an - sind ganz große Spuren im Schnee.
Sie gucken lange hinein und wissen nicht ganz genau, von wem die sind.
Also ich als Bär würde sagen, die sind von einem anderen Bären!
Wir fahren wieder zum Sourdough Campground und sehen viele Berge unterwegs.
Da treffen sich doch glatt drei Ranges. Die Alaska Range, die Wrengells und
die Chugach Mountains. Auf dem Campground nehmen wir wieder den selben schönen
Platz, und es scheint die Sonne wie beim letzten Mal, bloß ist es nicht
mehr so warm, und ein kleines bißchen Schnee liegt auch noch rum, und
es gibt viele Hasenspuren. Als Sie abends ins Sourdough Roadhouse zum Essen
gehen, sehe ich ein paar von den Mümmelmännern durch die Gegend
hoppeln. Sie haben alle weiße Strümpfe an. Den Mond sehe ich auch,
er sieht aus wie ein großer, gelber Pancake, von dem man nur den Rand
sieht - und jetzt warte ich mal wieder auf Nordlicht. Und heute nicht umsonst.
gegen 21 Uhr geht der Zauber wieder los. Wie ein ausgefranster Regenbogen
sieht's am Anfang aus. Ich sitze draußen auf der Campgroundbank und
merke erst gar nicht, daß ich fast anfriere vor lauter gucken! Es sind
minus 17 Grad!!!
Nach einer Stunde gehen wir wieder in den Camper, das Nordlicht bleibt! Im
Camper ist inzwischen die Wasserpumpe eingefroren, und somit entfällt
das Waschen. Nordlicht gibt's bis zum Einschlafen.

Samstag, 3. Oktober
Die Sonne scheint
und es sind noch immer minus 17 Grad. Heute Nacht haben wir im Camper immer
ein bißchen geheizt, deswegen gab's auch keine Eisblumen. Die Wasserpumpe
ist immer noch ganz still...

Nachdem Frühstück
im Sourdough Roadhouse, mir bringen Sie ein Stück Coconut Pie mit, wird
die alte Sourdough Methode ein Auto zu starten, ausprobiert. Die geht so:
du mußt das Auto immer wieder mal treten, damit es weiß, wer der
Herr ist, und wir haben getreten, und es hat gewirkt. Es springt gleich an!
Vielleicht müßte man das mit der Pumpe auch so machen?
In Gakona an der Kreuzung gibt's einen Fluß, und da schwimmen lauter
Eisfladen drin, das sieht ganz lustig aus, weil's so viele sind. Dann sehen
wir wieder viele weiße Berge, aber wenig Schnee.
Wir fahren am nachmittag auf einen Campground mit zwei Bärenfüßen
hoch Schnee, und dort sind alle Mülltonnen umgekippt, und alles liegt
herum. Manche Tonnen sind fast ganz platt. Sie gucken sich das näher
an und kommen ganz schnell und aufgeregt zurück. Ich gehe auch mal gucken
und werde auch ganz aufgeregt.

Ein Pfotenabdruck ist so groß, daß ich mich bequem reinsetzen kann. Großer Bär, das muß ja ein mächtiger Grizzly gewesen sein! Ich mache, das ich in den Camper zurückkomme. Eigentlich wollten wir hier ja übernachten, aber wenn wir an unsere Eingangstür denken und dann die zertretenen Tonnen angucken fahren wir doch besser weiter. Es liegen über 10 Tonnen in der Gegend rum, nur noch wenige stehen an ihrem Platz. Der muß aber einen Bärenhunger gehabt haben!

Wir fahren ganz
langsam ein paar Mal durch den Campground, aber der Grizzly ist nirgends zu
sehen. Also fahren wir nach Tok. Der Ort hat übrigens seinen Namen vom
Straßenbau bekommen. Als die Abzweigung nach Valdez fertig war hat man
gesagt: the T is O.K. und schon hieß der neue Ort Tok. Alle Campgrounds
sind hier geschlossen und wir übernachten auf einer Wayside, das ist
ein enger Campground mit ein paar Bäumen und vielleicht drei Bärenfüße
(meine) hoch Schnee.
Am Abend klopft es, es ist aber kein Bär, sondern zwei Amerikaner, die
seit Wochen Gold suchen, und sie zeigen uns was sie gefunden haben. Gefiel
mir ganz gut. Bis jetzt sind es nur minus 7 Grad, und die Pumpe geht auch
noch!
Samstag, 4. Oktober
Es scheint die
Sonne und am Fenster sind wieder schöne Eisblumen. Wir fahren nochmal
schnell nach Tok und werfen die letzte Post aus Alaska ein. Als wir in der
Visitor Information wegen Wasser fragen war's umsonst. daß wir aber
nicht auf dem Grizzlybärencampground geblieben sind sei recht so, sonst
wären wir vielleicht im Radio oder in der Zeitung gekommen!
Auf dem Weg zur Grenze nach Kanada wird's immer mehr Schnee, bis die Straße
ganz weiß ist und der Jürgen flucht. An der kanadischen Grenze
macht der Beamte Zirkus. Er will unsere Flugtickets sehen, aber dann ist
alles okay. Am Nachmittag, sie haben uns zwei Stunden geklaut, fahren wir
auf einen schönen Campground. In Alaska ist es jetzt erst um 3:00 und
hier ist's schon um fünf. Beim Einparken merken wir mal wieder, daß
ganz schön Schnee liegt (ungefähr sieben Bärenfüße),
denn der Camper will mal wieder quer und dann gar nicht mehr. Er kriegt
ein paar Tannenzweige unter die Pfoten und dann geht's, na also. Sie überlegen
schon ob wir weiterfahren sollten, aber dann bleiben wir doch da, und es
ist schön hier, und viele Spuren gibt es auch, und ein Lagerfeuer im
Schnee, und viele Vögel die uns besuchen kommen. Nachts werde ich wach
weil's so kalt ist. haben Sie doch glatt vergessen das Dachfenster zuzumachen,
und ich komme nicht ran, aber Sie merken es auch und stehen auf.
Dabei festgestellt, daß es Nordlicht hat, aber es ist schon am ausgehen.
Montag, 5. Oktober
Man sieht die
Sonne über dem See aufgehen, aber der ist's bei minus 10 Grad wohl
auch zu kalt, denn sie deckt sich ganz schnell wieder mit Wolken zu. Aus
dem Campground kommen wir ohne Tannenzweige wieder raus. Auf dem Alaska
Highway sieht man viele verschneite Berge, aber arg hoch sind sie nicht,
und dann laufen zwei Wölfe über die Straße - viel zu schnell!!
Am Kluane Lake fahren wir wieder auf den selben Campground, nur scheint
dieses Mal keine Sonne, die gelben Blätter sind alle von den Bäumen,
und es liegt ein bißchen Schnee, und der See sieht viel kälter
aus. Es gibt dann am Nachmittag erstmal Schokoladen Pie und dann gleich
ein Lagerfeuer, und dann holen Sie ganz viel Wasser aus dem See und machen's
warm zum Haare waschen, und der Jürgen macht am Lagerfeuer eine Großküche
auf und kocht alles was wir noch haben für die nächsten zwei Tage.
Dienstag, 6. Oktober
Hier hat es ganz
schön geschneit, und ab und zu sieht man beim Fahren größere
Spuren im Schnee, aber keine Bären, eigentlich überhaupt nichts.
wir fahren wieder auf den Mendenhall Creek Campground, der schön im
Wald liegt und machen gleich ein Lagerfeuer. Heute morgen war übrigens
der Honeywaggon auf dem Campground. Also als Bär stellt man sich darunter
ja was ganz anderes vor. Das ist das Auto das die Klohäuschen leert!
Dann bauen wir einen ganz großen Schneebären, jedenfalls ist
er ein kleies Stück größer als ich.
Dann kriegen wir Besuch von einem jungen Typ. Wir sollen morgen für
ihn einen Brief an seine Mama in Schweden aufgeben. Er freut sich übrigens
über die Pancakes, die wir ihm backen, genauso wie ich. Er sagt hier
gibt's viele Wölfe, vielleicht heulen sie heute nacht endlich einmal.
Mittwoch, 7. Oktober
Heute morgen
hat es 5 cm Neuschnee und als ich meinem Schneebären Guten Morgen sagen
gehe, sehe ich, daß es lauter kleine Sternchen auf meinen Pelz schneit,
das sieht ja lustig aus. Der Jürgen macht gleich ein Bild von mir,
und ein Lagerfeuer macht er auch, und es gibt zum Frühstück Pancakes
im Schnee! Wir sehen eine Hasenspur im Schnee, die geht direkt unter den
Camper durch, vielleicht stehen wir auf einem Hasenhighway?
Auf dem Alaska Highway ist es ganz schön glatt, aber dann wird's immer
weniger Schnee, und dann ist's nur noch Dreck. In Whitehorse sieht's ganz
schlimm aus, lauter Pfützen und kein Schnee, und der Flughafen sieht
aus wie 'closed for the season', aber es ist doch jemand da.
Und dann wird mein Bärenhrz ganz schwer, denn jetzt heißt es
Abschied nehmen.